EIN STADTTEIL MIT CHARAKTER

Wie der Stadtplaner Andreas Beilein als neuer Quartiersmanager nach Rotthausen kam:
„Keiner weiß besser, was Rotthausen braucht, als die Bürgerinnen und Bürger, die hier wohnen.“

Andreas Beilein ist einer, der es anders macht. Statt eine erste Begrüßungsrunde in Politik und Verwaltung zu absolvieren, hört sich der 44jährige, der an der TU Dortmund Raumplanung studierte, seit Oktober lieber die Sicht der Rotthauser über ihren Stadtteil an. Schließlich will der gebürtige Franke hier in den kommenden zehn Jahren als Quartiersmanager möglichst viel bewirken. „Ich wollte erst einmal mit den Leuten warm werden, zuhören, verstehen“, sagt Beilein. Ein sympathischer Anfang.

„Sympathisch“ ist auch der Begriff, der für ihn gut auf Rotthausen passt. Bei ersten Einzelgesprächen mit Vereinen, Verbänden und Unternehmen hat ihn „beeindruckt und beglückt“, wie viele Frauen und Männer in Rotthausen ihren Stadtteil schöner machen und voranbringen wollen: „Dieses Engagement ist ein echtes Pfund und inspiriert mich.“ Zugleich habe man bestehende Probleme, die sich zum Beispiel aus der starken Zuwanderung ergeben, offen ansprechen können: „Die Rotthauser sind selbstreflektiert und gelassen, nie aggressiv oder panisch.“ Nachhaltigen Eindruck hinterließ die Aktion „Rotthausen schmückt sich“. Nachdem die vom Rotthauser Netzwerk aufgestellten Weihnachtsbäume von Unbekannten verwüstet worden waren, wurde so lange nachgeschmückt, bis die Kugeln hängenblieben und Weihnachten war. Andreas Beilein: „Das ist typisch Ruhrgebiet. In Rotthausen lässt man sich nicht unterkriegen“. Weitere Pluspunkte sind die guten Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Gebrauch, preiswerter Wohnraum mit viel Grün drumherum und die verkehrsgünstige Lage zwischen großen Städten. Diese Vorteile, so meint er, werden von den Bürgern noch zu wenig gesehen.

Das soll sich ändern. Für den Perspektivwechsel bringt der Vater von vier Kindern zwischen acht und 15 Jahren jede Menge Beruf- und Lebenserfahrung mit. Mit seiner Frau, die als Sozialarbeiterin in einem Brennpunkt-Familienzentrum in der Dortmunder Nordstadt arbeitet, und den Kids ist er nach zehn Jahren City-Leben gerade auf einen abgelegenen ehemaligen Bauernhof vor den Toren der Stadt gezogen.
Vor seinem Studium absolvierte Beilein bei der Stadt Nürnberg eine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungskaufmann und arbeitete einige Jahre in der Finanz- und Personalverwaltung. Dort erwachte sein Interesse an der Stadtentwicklung. Weil es im Süden Deutschlands mit Ausnahme von Stuttgart bis heute keine Möglichkeit gibt, Raumplanung zu studieren, schrieb er sich an der TU Dortmund ein. Die Dortmunder Wissenschaftler genießen für ihr Konzept zu mehr Bürgerbeteiligung und Berücksichtigung sozialer Aspekte in der Stadtentwicklung bundesweit einen guten Ruf.
 
Vor Beilein liegt nun eine Menge Arbeit. Seine Vorstellungsrunde hat er absolviert. Stadtspaziergänge mit Kindergartenkindern und Schülern sind geplant. Vor Ostern 2017 soll eine erste Stadtteilwerkstatt im Volkshaus stattfinden, um die Bürger nach ihren Vorstellungen, Lösungsvorschlägen und Prioritäten für Veränderung zu fragen. Die Ergebnisse, kombiniert mit Vorschlägen der Verwaltung, bilden die Grundlage für ein integriertes Handlungskonzept für Rotthausen. Dabei geht es um mehr als um Verkehr und Spielplätze, es geht auch um Kindergärten, Schulen und soziales Miteinander.
Parallel hat Beilein verwaltungsintern ein Gebiets-team einberufen, das die Umsetzung des Konzepts ermöglichen soll. Darin vertreten sind ein Querschnitt durch die Verwaltung: Gelsendienste, Gekita, Kultur, Schulamt, Sozialamt, Verkehr, Liegenschaften.

Das Handlungskonzept soll im Herbst die Bezirksvertretung, die Ausschüsse und den Rat passieren. Wird Rotthausen vom Land als Stadterneuerungsgebiet anerkannt, hat er im November noch ganze zwei Wochen Zeit, um die ersten Förderanträge zu schreiben. „Sportlich, aber machbar“ nennt Beilein diesen Zeitplan. Keine Frage, der Mann ist wirklich im Ruhrgebiet angekommen. Geht nicht, gibt‘s nicht. Glück auf!