EIN PAKT FÜR BILDUNG UND NEUE JOBS

Gute Aussichten: Pilotprojekt von IAG und Rotthauser Netzwerk will Quote der Hartz IV-Bezieher im Stadtteil positiv beeinflussen

So eine starke Allianz wünscht sich jeder Stadtteil: Um Menschen mit schwierigen Startbedingungen in Rotthausen neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen, hat das Integrationscenter für Arbeit (IAG) in Gelsenkirchen das Rotthauser Netzwerk (RNW) zur Zusammenarbeit eingeladen. Ziel der zunächst auf zwei Jahre angelegten Kooperation ist es, die hohe Quote der Arbeitssuchenden, die auf Grundsicherung nach SGBII (HartzIV) angewiesen sind, in Rotthausen positiv zu beeinflussen „Wir alle tragen Verantwortung!“, rief der IAG-Geschäftsführer Dirk Sußmann bei der Vorstellung des Projekts „Perspektiven für Rotthausen“ auf der Mai-Sitzung des Rotthauser Netzwerks zur Mitwirkung auf.

AUS DEN ÄMTERN ZU DEN MENSCHEN
Arbeit und Bildung: IAG und Rotthauser Netzwerk schmieden gemeinsam neue „Perspektiven für Rotthausen“

Die Statistik macht das Ausmaß der Notlage deutlich: Aktuell ist beinahe jeder vierte Haushalt in Rotthausen auf Sozialhilfe angewiesen. In diesen 1.409 Haushalten mit 3.264 Personen leben 57 Prozent deutsche, 43% nichtdeutsche Mitbürgerinnen und Mitbürger. In einem zweiten Schritt soll das Netzwerk weiter wachsen. Der ortsansässige Bildungsanbieter Gelsenbildung und die APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, haben bereits ihre Mitwirkung zugesagt.

Außerdem sollen die Agentur für Arbeit in Gelsenkirchen, die Stadt Gelsenkirchen, die Jugendberufsagentur, die Wohnungswirtschaft sowie Kindertageseinrichtungen und Schulen als Partner für Rotthausen gewonnen werden.  17 Millionen Euro an Hilfsleistungen fließen pro Jahr nach Rotthausen, um 1.471 arbeitssuchende und arbeitslose Männer und Frauen im Stadtteil zu unterstützen. Dabei stuft das Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen 1.099 Personen als „nicht marktnah arbeitssuchend“ ein, 1.144 stellen sich dem Wettbewerb ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Das soll sich durch das NRW-weit beispielhafte Projekt „Perspektiven für Rotthausen“ bald ändern.In ersten Gesprächen vereinbarten das IAG und das Rotthauser Netzwerk eine Arbeitsteilung. Das IAG wird in Rotthausen Bezieher und Bezieher von SHGII-Leistungen konkret ansprechen und vor Ort gruppenbezogene Beratungsaktivitäten an „informellen Treffpunkten“ anbieten. Auch Kinderbetreuung, Schuldner- und Suchberatung oder psychosoziale Betreuung gehören dazu. Dirk Sußmann: „Uns geht es um eine Aktivierung der Hilfesuchenden nach dem Prinzip des Förderns und Forderns.“ Gleichzeitig soll die neue Arbeitgeber-Servicehotline „Stichwort Rotthausen“ den direkten Draht zwischen IAG und Arbeitsmarkt herstellen und zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeien im Stadtteil einwerben. Weitere Stichworte sind: Einrichtung eines mobilen Job Points auf dem Markt- oder Sportplatz, Bildungmessen im Volkshaus und spezielle Bewerbertage für Rotthauser Bürgerinnen und Bürger in der B.Box und im Job Point. „Keine Integration soll an unzureichender Kinderbetreuung scheitern“, gibt IAG-Chef Sußmann die Linie vor Deshalb wird die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt die Arbeitssuchenden gezielt über familienfreundliche Arbeitsangebote, Ausbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten in Teilzeit sowie Betreuungsmöglichkeiten in Teilzeit beraten. Nicht nur die IAG hat bis zum offiziellen Kick-off ein umfangreiches Pflichtenheft abzuarbeiten, auch das Rotthauser Netzwerk spuckt in die Hände. „Unsere Aufgabe ist es, im Stadtteil ein Projektbüro mit festen Ansprechpartnern einzurichten“, sagt der Netzwerk-Vorsitzende Klaus Koschei, der das Projekt gemeinsam mit Netzwerk-Mitglied Rainer Lipka vorantreibt. Unter dem Stichwort „sozialer Arbeitsmarkt“ sollen mit den vielfältigen Akteuren vor Ort sinnstiftende Beschäftigungsmöglichkeiten im Stadtteil entwickelt und etabliert werden. Klaus Koschei: „Am Ziel sind wir, wenn Betriebe aus Rotthausen dem IAG offene Stellen und zusätzliche Bedarfe aktiv mitteilen.“