Die Zeit vor der Zeche

Rotthausen um 1800. Die Karte wurde 1919 von dem damaligen Leiter des Tiefbauamtes Rotthausen, Landmesser Spottke, nach Angaben des Rektors Hermann Tobien und nach Informationen aus alten Akten angefertigt.

Rotthausen um 1800. Die Karte wurde 1919 von dem damaligen Leiter des Tiefbauamtes Rotthausen, Landmesser Spottke, nach Angaben des Rektors Hermann Tobien und nach Informationen aus alten Akten angefertigt.

Es war einmal Rohhusson: Das Dorf vor der Kohle

Von Karlheinz Rabas und Georg Gerecht
Alle reden in diesem Jahr vom Kohleausstieg und vom Schließen der letzten Ruhrgebietszeche. In Rotthausen war bereits vor 52 Jahren Schicht im Schacht, als die Zeche Dahlbusch schloss. Bis 1966 waren gerade mal 110 Jahre Bergbau in Rotthausen, die das Gebiet des  Stadtteils prägten.

Aber wie sah es in dieser Gegend vorher aus? Das Stadtteil-Gebiet lag während seiner frühen Besiedlungsphase im Borchtergau, der sich von Soest bis Borbeck erstreckte. Um 700 fielen die Sachsen ein und brachten das Land in ihre Abhängigkeit. Von den Franken wurden sie dann immer weiter zurückgedrängt, welche ihrerseits anschließend in diese dünn besiedelten Gebiete strömten. Eine frühe Ansiedlung der Borchter in unserem Gebiet war die Gehöftgruppe Scheven.Vermutlich durch die Franken wurde dann das Dorf Weindorf gegründet. Beide Siedlungen tragen Kennzeichen herrschaftlicher Ordnung. Dies ist nicht der Fall beim Dorf Rotthausen, dessen älteste Namensform aus dem 10. Jahrhundert Rohhuson (lies: Rothhuson) lautet. Das ‚Rott’ war eine waldfreie, unbebaute Fläche, das Emschertal, an der Bruchkante zum Bochumer Lössporn, dessen Wald gerodet worden war. Das Dorf „op der rige“, nördlich der heutigen Straße ‚Auf der Reihe’, erstreckte sich entlang der Bruchkante auf der Talsohle an den hier vorhandenen Quellen in West-Ost-Richtung. Diese drei Siedlungen bilden den historischen Kern des heutigen Rotthausen.

Als das Dorf noch zu Essen gehörte

Die fränkische Reichspolitik war gekennzeichnet durch die Ausdehnung ihres Machtbereiches, die Missionierung heidnischer Völker und das System der Grundherrschaft. An der Spitze des grundherrschaftlichen Gefüges stand das um 850 gegründete Stift Essen. Es folgten die Oberhöfe, die als Wirtschafts- und Verwaltungshöfe die Mittelpunkte von Hofverbänden im Stift bildeten. Der Hof Rothusen war einer der ältesten zum Stift gehörenden Höfe. Bis 1803 gehörte Rotthausen zum Essener Damenstift, dann ging es an das Königreich Preußen über. Das Dorf Rotthausen gehörte im weiteren Verlauf zur neuerrichteten Bürgermeisterei Altenessen, und nach deren Teilung ab 1874 zu Stoppenberg.

1853: Gründung der Zeche Dahlbusch

Um 1800 war Rotthausen immer noch ein Dorf mit 45 Häusern und 350 Einwohnern mit stark bäuerlichem Charakter. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts betreiben sie fast ausschließlich Ackerbau und Viehzucht und verkauften ihre Erzeugnisse auf dem Kornmarkt in Essen und dem Viehmarkt in Steele. Es gab auch Handwerker im Dorf: zwei Leineweber und je einen Schuhmacher, Holzschuhmacher, Schmied, Schneider und Zimmermann. Mit der Gründung der Zeche Dahlbusch 1853 änderte sich alles. Die dörfliche Idylle wich nach und nach einer Verstädterung, denn nun begann der rasante Zuzug von Arbeitskräften.
Von den vormals 31 Höfen und Kotten Rotthausens, die in den Geschichtsbüchern verzeichnet sind, ist heute kein Hof mehr erhalten. Die Gebäude des letzten Bauernhofes wurden im November 1977 abgebrochen. Es war dies der Hof Große Westen, an der Straße Auf der Reihe gelegen, gegenüber der Straße Kraspothshöhe.

Herkunft der Straßennamen

Straßennamen wie Weindorfstraße, Auf der Reihe, Hilgenboomstraße, Am Dahlbusch, Schemannstraße, Kraspothshöhe, Achternbergstraße sind allesamt auf die Zeit vor der Kohle zurückzuführen. Ein nicht an allen Stellen exakt recherchiertes Buch über „Die Geschichte der Bürgermeisterei Rotthausen“ schrieb der Lehrer Tobien im Jahr 1919. Eine weitere Gesamtdarstellung von Rotthausen ist seit dem nicht verfasst worden. Allerdings kann man im Stadtteilarchiv Rotthausen zahlreiche Dokumente und Bücher zur Geschichte von Rotthausen einsehen.