Die Geschichte der Bergberufsschulen

Spurensuche auf Dahlbusch: Ein Buch erinnert an einen Schultyp, der bald der Vergangenheit angehört

(win) Ende des Jahres schließt mit dem Bottroper Bergwerk Prosper-Haniel die letzte Zeche im Ruhrgebiet. Es ist das endgültige Aus des Steinkohlebergbaus in einer Region, die von diesem maßgeblich geprägt wurde.

Mit dem Ende der Zechen verbunden ist auch das Ende der entsprechenden Ausbildung, sprich der Bergberufsschulen. Diesem Thema hat sich ein dreiköpfiges Autorenteam drei Jahre lang gewidmet. Herausgekommen ist ein dicker Wälzer, der am 3. Juli in Recklinghausen vorgestellt wird.
Rotthausen findet sich ebenfalls in dem Werk wieder. Wenig bekannt ist, dass sich auch auf der Zeche Dahlbusch eine Bergberufsschule befand. 1941 wurde sie ins Leben gerufen, nachdem ein Jahr zuvor der Lehrberuf Knappe offiziell eingeführt worden war. In Rotthausen widmete man sich der Ausbildung der Vermessungstechniker.
Die Räume befanden sich im 1912 errichteten Lohnhallengebäude rechts vom Haupteingang an der Steeler Straße; dort, wo heute die Sparkasse und Rewe zu finden sind. Zur Verfügung standen der Schule „vier Unterrichtsräume mit insgesamt 104 Sitzplätzen, ein Physik- und Chemieraum mit 24 Sitzplätzen, drei Modellräume, ein Lehrmittelraum, ein Schulleiterzimmer, ein Lehrerzimmer, eine Getränkeausgabe“. Weiter heißt es: „Die Schulräume entsprechen bedingt den Anforderungen eines ordnungsgemäßen Unterrichts.“ Geschlossen wurde die Schule vermutlich kurz vor dem Betriebsende der Zeche 1966.

Rotthauser Bezug haben auch zwei der Autoren. Prof. Dr. Karl Eckart (Jahrgang 1939) war 1960 vom Weserbergland ins Ruhrgebiet gekommen. Viereinhalb Jahre lebte er in Rotthausen, machte dort das Abitur auf dem Abendgymnasium in den Räumen der Gertrud-Bäumer-Realschule. Heute lebt er in Bottrop. Als er die Idee für das Buch hatte, suchte er zufällig den Kontakt zu Wolfgang Koschei (Jahrgang 1952), der als Lehrer in leitenden Funktionen jede Menge praktische Erfahrungen in diesem Bereich hatte. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, sagen beide unisono. Der Gladbecker ist in Rotthausen kein Unbekannter. Der Fußball zog ihn 1977 hierhin. Zunächst wohnte er über der Gaststätte Wernscheid in der Steeler Straße, wo auch viele junge Schalker Spieler untergebracht waren. Lange spielte Koschei selbst für den TuS Rotthausen, war bis in die 90er Jahre hinein in der Jugendarbeit des Vereins tätig. Außerdem ist er ein Bruder von Klaus Koschei, dem Vorsitzenden des Rotthauser Netzwerks.

Diplom-Geograph Thorsten David steuerte viele erhellende Schaubilder bei, die Malerin Anke Erlenhoff sorgte für den künstlerischen Beitrag. Das umfangreiche Werk befasst sich mit dem gesamten Schulwesen im Bergbau, konzentriert sich dabei auf die 1921 eingeführten Bergberufsschulen und die ständigen Anpassungen dieser an gesellschaftliche, wirtschaftliche, technische und soziale Verhältnisse. In keinem anderen Schultyp habe man sich dermaßen oft veränderten Rahmenbedingungen zu stellen gehabt, so die Autoren.

Das Erscheinungsdatum ist bewusst gewählt. Denn am 31. Juli schließen mit der bergmännischen Berufsschule Recklinghausen und der Bergfachschule Bergkamen die letzten noch verbliebenen Lehranstalten. Der Bergbau im Revier ist also Vergangenheit und damit auch das bergmännische Schulwesen. Dessen Geschichte ist nun festgehalten.