Die etablierten Parteien haben die Bürger nicht erreicht

Erste Bürgermeisterin Martina Rudowitz diskutierte beim Monatstreff des Rotthauser Netzwerks über die Gründe für den starken Stimmenzuwachs der AfD in der Emscherstadt.

„Ich will mal provokant einsteigen“, eröffnete Klaus Koschei die 48. Ratssitzung des Rotthauser Netzwerkes am 26. Oktober im „Kolpinghaus“. Provokant – das war eine E-Mail, die Koschei unmittelbar nach den Bundestagswahlen im September 2017 bekam.

„Schöne Grüße ins braune Rotthausen“, so die Anspielung auf die 18,2% der Zweitstimmen für die AfD. Wie kann es überhaupt passieren, dass eine solche Partei im Stadtteil so viel Anklang findet. Es gebe viele Gründe, so die Rotthauser Ratsfrau und erste Bürgermeisterin Martina Rudowitz, die in Rotthausen wohnt. Sie hob einen Aspekt besonders hervor: Die etablierten Parteien hätten es nicht geschafft, die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Doch woher kommt der Vertrauensverlust in die CDU und SPD?

Die Mitglieder waren sich schnell einig. Die Bürgerinnen und Bürger würden sich von der Politik nicht mehr verstanden fühlen. Dazu käme das polarisierende Thema der Zuwanderung. Viele, vor allem ältere Bewohner, würden deshalb ihre Straße und Stadtteil nicht mehr wiedererkennen. Diebstähle und Vandalismus würden Angst und Unsicherheit verursachen. Angst, auch vor dem eigenen sozialen Abstieg.

Zuwanderung als Ursache?
Das Thema Zuwanderung sei viel komplexer als von vielen angenommen, wandte Rudowitz ein. Die Menschen müssten zwischen Zuwanderung aus Osteuropa und den Flüchtlingen unterscheiden: „Einige Flüchtlinge kommen mit dem Versprechen der Schlepper von einem eigenen Haus und 10.000 Euro Empfangsgeld zu uns“. Diese Vorstellung werde Schrotthaus-Vermietern zum Teil drastisch ausgenutzt, die die Flüchtlinge unter unzumutbaren Bedingungen hausen würden. Das trage zu dem schlechten Bild bei. Gleichzeitig hätten viele türkische Mitbürger aufgrund ihrer Treue zu Präsident Erdogan die AfD gewählt. „Diesen Faktor dürfen wir nicht unterschätzen“, so Rudowitz.
Doch was können die etablierten Parteien jetzt tun, um wieder das Vertrauen der Menschen zu gewinnen? Martina Rudowitz:  „Wir müssen auf alle Menschen zugehen und ein offenes Ohr für sie haben. Wir müssen zeigen, dass wir uns um ihre Sorgen und Ängste kümmern. Außerdem sollten wir auch überparteilich an einem Strang ziehen.“ Es bleibt also noch eine Menge Arbeit.