BAUMRIESEN MUSSTEN WEICHEN

Mehr Licht, breiterer Gehsteig und Schutz vor Unfällen: Fachfirma fällte neun Platanen an der Schemannstraße Bürgerverein unterstützt Babywald-Aktion der Evangelischen Kliniken: Rotthausen braucht mehr neue Bäume

Sie hätten 200 Jahre alt werden können, doch am 12. November setzte die Säge ihrem Leben ein Ende: Eine von Gelsendiensten beaulragte Fachfirma fällte Mitte November neun Platanen an der Schemannstraße zwi-chen Schonnebecker und Belforter Straße. Die Bewohner waren zuvor per Anschreiben über die Maßnahme informiert worden. Die Entscheidung zur Fällung der Bäume traf die Bezirksvertretung Süd. Mitglieder hatten sich zuvor bei einem Ortstermin von der Notwendigkeit der Maßnahme überzeugt.
An der Schemannstraße war es tatsächlich zwischen den 60 Jahre alten Bäumen und der Grundstückshecke der Kirchengemeinde eng geworden. Zudem stellten die an der Oberfläche verlaufenden Wurzeln der Bäume nach Ansicht der Bezirksvertreter eine erhebliche Unfallgefahr für die Fußgänger dar. Dem Vorschlag des Bürgervereins Rotthausen, statt der Bäume lieber die Hecke zurückzusetzen, folgten die Bezirkspolitiker nicht. Nach der Fällaktion wurden die Baumscheiben neu hergerichtet. Anschließend pflanzten die Fachleute von Gelsendiensten Spitzahorn. Ohne die Bäume präsentiert sich das Teilstück insgesamt heller, der Gehweg ist wieder breiter.
Bürgerverein beklagt Verlust der Sauerstofflieferanten Zufrieden ist der Bürgerverein Rotthausen mit der Maßnahme aber nicht. Georg Gerecht: „Die Sauerstofflieferanten fehlen nun. Sie machten das Straßenbild grün, sie spendeten Schatten, schluckten Lärm und verhinderten eine weitere Aufheizung des Klimas.“ Mit Sorge blickt Gerecht auf die robusten Platanen, die noch an der Schwarzmühlenstraße, der Steeler Straße, der Mechtenbergstraße, der Kraspothshöhe und auf dem Friedhof zu finden sind.
„Politik und Verwaltung sollten sorgfältig prüfen, ob Fällungen wirklich nötig sind“, warnt der Vorsitzende des Bürgervereins.

Grundsätzlich brauche Rotthausen neue Bäume. Deshalb unterstützt der Bürgerverein bereits seit 2010 das Angebot der Evangelischen Kliniken, an der Mechtenbergstraße für Neugeborenene einen Baum pflanzen zu können. Der sogenannte „Rotthauser Babywald“ bekam zuletzt im November neuen Zuwachs und zählt bereits mehr als 170 Bäume. Bei Pflanzungsaktionen übernimmt der Bürgerverein die Logistik vor Ort mit Speisen, Getränken und Sitzgelegenheiten. Weitere Unterstützer sind die Stadt Gelsenkirchen, Gelsendienste und private Sponsoren.