„Auf Eure Strukturen baut die Stadt“

Ohne Quartiere wie Rotthausen gäbe es keinen Quartiersfonds: OB Frank Baranowski würdigt Stadtteil-Engagement im Netzwerk-Talk

Den Rotthausern müssen wahrlich die Ohren geklingelt haben, als sich Mitte Juni OB Frank Baranowski einer Talk-Runde des Rotthauser Netzwerkes stellte.
„Rotthausen ist wirklich etwas Besonderes“, sagte der erste Bürger der Stadt. „Anstatt sich zu verzetteln, haben sich in Rotthausen Initiativen und Netzwerke zusammengetan, um gemeinsam zu formulieren, was nötig ist, und diese Position nach außen zu vertreten.“ Auf diesen Strukturen aufbauen zu können, mache das Leben für die Stadt einfacher. Deshalb sei man sofort auf Rotthausen gekommen, als es um Stadterneuerung ging. Auch ein Quartiersfonds sei nur möglich durch bürgerschaftliches Engagement wie in Rotthausen.

Gehen Sie uns Ruhig auf den Geist!

Stadtentwicklung, Quartiersfonds, NRW-Wahl: OB Frank Baranowski machte beim Netzwerk-Talk Mut zum Mitmachen

Mutig sein - das Leitmotiv der Neujahrsrede 2017 von OB Frank Baranowski bildete Mitte Juni den roten Faden bei einer Talkrunde des Rotthauser Netzwerkes mit Gelsenkirchens erstem Bürger. Erste Frage: Wieviel Mut muss ein Oberbürgermeister haben, um dem Ruf seiner Partei in den Landesvorstand zu widerstehen?

Der sportliche Sozialdemokrat (55) nahm in Rotthausen kein Blatt vor den Mund. Baranowski, ursprünglich Lehrer für Deutsch und Geschichte, ist seit 2004 OB in Gelsenkirchen, wurde 2014 mit 50,1 Prozent wiedergewählt und gilt als Beschaffer solider Mehrheiten. Entsprechend tough fiel auch seine Antwort in Rotthausen aus: „Dazu gehört nicht viel Mut, man muss nur für sich klar haben, was man zugesagt hat. Mir wurde immer unterstellt, ich sei auf der Durchreise. Wenn ich mich zur Wahl stelle, dann gilt das auch.“ Kein Zweifel, der Mann ist gekommen, um zu bleiben.

Mut zur Kreativität
„Im zweiten Haushaltsjahr haben wir einen Quartiersfonds eingerichtet und mit 100.000 Euro ausgestattet. Hier können Initiativen und Vereine wie das Rotthauser Netzwerk Unterstützung für Projekte und Vorhaben über unsere runden Tische beantragen. Eine Jury aus Vertretern der einzelnen runden Tische entscheidet darüber. Bisher gingen die runden Tische mit dem Instrument so sparsam um, dass immer noch Geld übrig blieb. Das erleben wir auch 2017 wieder. Das Geld verfällt nicht. Ich möchte die engagierten Bürgerinnen und Bürger deshalb ermutigen: Seien Sie kreativ, stellen Sie einen Antrag, sorgen Sie dafür, dass die Jury in Ihrem Sinne entscheidet. Das Geld ist für bürgerschaftliche Initiativen gedacht, es steht Ihnen zur Verfügung. Holen Sie es sich!“

Mut zu mehr Kommunikation
„Nicht alles lässt sich durch mangelnde Kommunikation erklären. Es wird immer Entscheidungen geben, die dem einen oder anderen nicht gefallen, daran wird sich nichts ändern. Trotzdem: Die Verwaltung muss möglichst zeitnah Dinge wissen, die im Ortsteil gschehen. Das ist eine Schwierigkeit. Wir stehen durch Zuwanderung und Zuzug vor großen Herausforderungen. Die Gesellschaft verändert sich. Wir sind nicht immer vor Ort und können es auch gar nicht sein. Deshalb ist es in diesen herausfordernden Zeiten sehr wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger uns lieber einmal zu viel informieren als einmal zu wenig. Gehen Sie uns auf den Geist, wenn Sie keine Reaktion bekommen! Stadtentwicklung ist keine Einbahnstraße. Wir wollen zusammen etwas mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickeln. Denn sie müssen und sollen in Rotthausen leben. Ob Stadterneuerung oder Innovation City - das alles wird nur funktionieren mit einer Bürgerschaft, die klar formuliert, welche Art von Veränderung sie haben will. In Rotthausen hat das in der Vergangenheit schon gut funktioniert. Ich bin sehr optimistisch, dass es auch so bleibt.

Mut zum Erfolg
„Erfolg ist für mich, wenn die Menschen in Rotthausen in zehn Jahren sagen: Es hat sich gelohnt, sich zu engagieren. Wir wohnen gerne hier. Rotthausen hat Lebensqualität. Erfolg ist, wenn die, die neu kommen, sagen: Guck mal, da ist in letzter Zeit Gutes passiert. Fassaden wurden neu gestrichen, Spielplätze renoviert, Schulhöfe attraktiver gestaltet. Für uns als Stadt ist es ein Erfolg, unseren Partnerkommunen sagen zu können: Rotthausen ist ein Beispiel für gelungene Stadtentwicklung. Da müsst ihr nicht nach Duisburg oder sonstwohin fahren. Wir haben das auch.

Mut zur Zuversicht
„Ob die geplante Stadt-teilerneuerung auch unter der neuen Landesregierung aus CDU und FDP im gewünschten Maße umgesetzt werden kann, vermag ich heute noch nicht zu sagen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Projekte, die einmal als sinnvoll erachtet wurden, auch nach dem Regierungswechsel weiterbetrieben wurden. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass nach einem Regierungswechsel ganze Programme zusammengestrichen wurden, zum Beispiel das Programm Soziale Stadt.
Ich kenne den Koalitionsvertrag. Darin steht, dass auch weiterhin Stadtteilerneuerung betrieben werden soll. Im Ministerium ist man der Ansicht, dass unser Antrag gute Chancen hat. Wir machen unsere Hausaufgaben und werden den Antrag nach den Sommerferien auf den Weg bringen. Hoffen wir mal, dass wir so überzeugend sind, dass auch die neue Landesregierung feststellt, dass hier in Gelsenkirchen Fördermittel gut angelegtes Geld sind.

 

Abgeordneter im Bundestag? auf keinen Fall!

Auf der großen Weltbühne sind wir doch alle Schauspieler in den Rollen unseres Lebens. So sieht es auch Gelsenkirchens Stadtoberhaupt. Locker und entspannt antwortete Frank Baranowski auf die berühmten Fragen des Actor‘s Studio.

Welches ist Ihr Lieblingswort? Glück auf!

Welches Wort mögen Sie gar nicht? Geht nicht.

Was macht Sie positiv an?
Strahlende Augen von Kindern in Kindergären und Schulen, wenn sie etwas Neues erkannt, gelernt oder verstanden haben.

Was stößt Sie ab?
Gleichgültigkeit.

Welchen Klang oder welches Geräusch hören Sie am liebsten?
Das Rauschen der Wellen.

Welchen Klang oder welches Geräusch mögen Sie nicht?
Die Schulklingel.

Was ist Ihr Lieblingsschimpfwort?
Das geht jetzt aber gar nicht.

Welchen Beruf würden Sie gern ausüben?
Ich bin gelernter Lehrer,
der Beruf hat mir Freude gemacht. Aber auch das, was ich jetzt mache, mache ich sehr gerne.

Welchen Beruf möchten Sie auf gar keinen Fall ausüben?
Bundestagsabgeordneter.

Nehmen wir an, dass es den Himmel wirklich gibt. Mit welchen Worten soll Petrus Sie an der Himmelspforte empfangen?
Hier sind schon ein paar aus deiner Familie. Die warten schon auf dich.

Lieber Herr Baranowski, wir bedanken uns für das Gespräch.