Andreas Beilein geht

Dialog im QuartiersBüro: Stadtplaner Andreas Beilein (links) im Gespräch mit Klaus Nadolny, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wohnungsbau (GfW) in Rotthausen.

(SuSch) Diese Nachricht verbreitete sich Anfang September wie ein Lauffeuer: Der Stadtplaner Andreas Beilein, anerkannter „Quartierskümmerer“, wird zum 30. September seinen Posten räumen und sich neuen Herausforderungen widmen. Im Interview mit der Rotthauser Post verrät er, warum.

Noch kein Nachfolger in sicht

„Quartierskümmerer“ Andreas Beilein leitet in Zukunft die Bereiche Stadtplanung und Bauordnung in Datteln

Der Zug in Richtung Stadtteilerneuerung nimmt gerade Fahrt auf, da springt der Lokführer plötzlich ab: Der Stadtplaner Andreas Beilein, allseits geachteter „Quartierskümmerer“ in Rotthausen, kehrt Rotthausen den Rücken zu. Der Mann, der den Bürgerinnen und Bürgern durch sein engagiertes Arbeiten und seinen partnerschaftlichen Ansatz den Glauben an Stadtentwicklung und bürgerorientiertes Planen wiedergegeben hat, hinterlässt eine große Lücke, die nicht leicht zu schließen sein wird. Der Rotthauser Post gab Andreas Beilein ein Abschiedsinterview.

Herr Beilein, wann werden Sie Rotthausen verlassen?
Andreas Beilein (AB): Ich habe am Freitag, 28. September meinen letzten Arbeitstag bei der Stadt Gelsenkirchen. Da werde ich noch mal im QuartiersBüro in Rotthausen sein.

Womit werden Sie in Zukunft beschäftigt sein?
AB: Ich habe die Chance, in Datteln im Kreis Recklinghausen, einer Stadt etwas mehr als doppelt so groß wie Rotthausen, mit einer kleinen Verwaltung die Bereiche Stadtplanung und Bauordnung zu leiten. Die Herausforderung sehe ich vor allem darin, eine große Aufgabenbreite in einem kleinen Team zu bewältigen und dabei das Zusammenspiel zwischen Stadtplanung, Bauordnung und Wirtschaftsförderung gut aufzustellen. Wichtige Themen sind neue Wohnquartiere, Gewerbeflächen, Innenstadtentwicklung und auch Quartiersmanagement mit Stadterneuerung. Nach meiner Zeit in Rotthausen bin ich überzeugt, dass überschaubare Verwaltungseinheiten wie Quartiere, Stadtteile und kleinere Städte die zentrale Handlungsebene sein sollten. Was hier passiert, ist nah an den Menschen.

Was hat Sie bewogen, gerade jetzt auszusteigen?
AB: Mich hat es sehr nachdenklich gemacht, dass ich das frisch eingerichtete QuartiersBüro auf der Karl-Mayer-Straße für Themen der Stadtteilerneuerung und für den Dialog mit den Menschen in Rotthausen nicht so nutzen konnte, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich glaube, Verwaltungsvorstand, Politik und vor allem die Menschen im Stadtteil haben erwartet, dass die Stadterneuerung hier mehr draus macht. Dann hat es in Datteln geklappt. Damit habe ich nicht gerechnet.

Wie wird sich der Wechsel im Gesamtprojekt auswirken?
AB: Die Arbeit an Einzelprojekten wie Spielplätzen und dem Volkshaus kann auch ohne mich weiter- und anlaufen und kommt nicht ins Stocken. Bei der Koordination innerhalb der Verwaltung, der Abstimmung mit Förderungen und vor allem beim Austausch mit dem Stadtteil wird es erst mal eine Lücke geben.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie Rotthausen?
AB: Ich bin schon auch sehr traurig, weil viele spannende Dinge für Rotthausen im Entstehen sind oder entstehen können, auch weil sich viele engagierte Menschen auf den Weg machen, den Stadtteil weiter zu entwickeln.

Welches war Ihr eindrücklichstes Erlebnis?
Spontan fallen mir drei Begegnungen ein: die Diskussion mit einer 2. Klasse der Mechtenberggrundschule zur Qualität der Spielplätze im Stadtteil, ein Abend beim Rotthauser Wohnzimmer in der evangelischen Kirche und der diesjährige Rosenmontagszug mit der anschließenden Feier im APD-Wohngemeinschaftshaus  für Demenzkranke.

Gibt es bereits einen Nachfolger?
AB: Noch nicht. Eine dauerhafte Nachfolge wird sicher sechs Monate in Anspruch nehmen wird. Ich hoffe, dass der Übergang überbrückt werden kann.

Wie haben Sie die Arbeit im Stadtteil erlebt?
Ich bin sehr offen aufgenommen worden. In Rotthausen ist es üblich, ehrlich miteinander umzugehen und dabei auch Kritik und Gegenmeinung auszusprechen. Mich hat erstaunt, wie viele gute Ideen und Ansatzpunkte aus dem Stadtteil selbst gekommen sind. Das ist nicht überall so. Für mich ist das das wahre Pfund in Rotthausen.

Was nehmen Sie aus Rotthausen mit?
AB: Die Überzeugung, dass die Menschen vor Ort am besten wissen, wo die Probleme und Chancen liegen. Sie haben an ihrem Quartier und ihrem Stadtteil ein hohes Interesse und sind bereit. Eine Stadtverwaltung hat dann die Aufgabe, das zu sammeln, zu unterstützen und zu ermöglichen.