100 Jahre Meer

Rotthauser Wochenmarkt, Folge III:
Am Stand von Fisch und Feinkost Gerhard Lange

100 Jahre Leckerbissen aus dem Meer: Gerhard Lange kann auf diese Familientradition wirklich stolz sein. Schon seine Großeltern verkauften Fisch. 1917 gründete der Opa die Firma und  fuhr mit dem Pferdewagen auch durch Rotthausen. Damals standen Heringe als preiswertes „Arme-Leute-Essen“ hoch im Kurs. Das ist lange her.

Nach dem 2. Weltkrieg übernahm der Vater Adi Lange das Geschäft. Der Rotthauser Markt hatte damals seinen Standort auf dem heutigen Parkplatz direkt an der Steeler Straße. Seine Stände waren weithin sichtbar, es gab viel Zulauf von Rotthauser Bürgern und Vorbeifahrenden. Das war ein Vorteil gegenüber dem heutigen Standort. So viele Händler, so viele Kunden - was für ein reges Marktgeschäft im Stadtteil. Wenn die Uhr am Samstag zwölf schlug, verkaufte Adi ein Paket Fisch für ein paar D-Mark. Die frische Waren musste unbedingt vor dem Wochenende verkauft sein.

Erst Banklehre, dann Marktstand
1977 wagte Gerhard Lange, heutiger Inhaber, den Sprung ins elterliche Geschäft, aber erst nachdem er eine Banklehre absolviert hatte. 1984 übernahm er die volle Verantwortung.
Während seiner Ausbildung bei der Volksbank lernte er auf einem Lehrgang seine Frau kennen. 1980 wurde geheiratet, seitdem ist Renate Lange mit im Geschäft. Als „gute Seele der Firma“ erledigt sie die Buchführung, kümmert sich um drei Mitarbeiterinnen, informiert die Kunden über die Produkte und gibt Tipps zur Zubereitung der Fische. Er ist der Mann fürs Grobe, sie die Frau für die feineren Aufgaben. „Heute ist es schwerer als früher, frischen Fisch anbieten zu können, da die Meere stark überfischt sind. Der Fang ist stark witterungsabhängig.“

Fangfrisch aus Skandinavien
Bei Sturm oder Unwetter gibt es schon mal Engpässe. Im hohen Norden sind die Temperaturen im Winter erheblich niedriger als im Ruhrgebiet. Dann landen weniger Fische im Netz, und die Preise steigen. Seine Waren bezieht Lange direkt aus Dänemark und Norwegen, einige Sorten auch per Flugzeug aus Island und Grönland.

GROSSE VIELFALT AN SALATEN
Feinkost wird am Stand der Langes groß geschrieben: Es gibt täglich frisch zubereitete Salate ohne Konservierungsstoffe: Heringsstipp, Heringssalat, Heringshappen in Joghurt-Sherry-Soße und in Currysoße, Sylter Heringstopf, Matjessalat natur und Matjeshappen in Sahnesoße vom Qualitäts-Matjes aus Holland. Wer nicht früh genug am Stand ist, um die begehrten Leckereien zu kaufen, hat nicht selten das Nachsehen.

Zwölf Stunden Arbeit am Tag
Außer in Rotthausen ist Langes Stand dienstags und freitags in Wattenscheid und donnerstags in Schonnebeck vertreten. Montags und mittwochs wird eingekauft und vorbereitet. So ein Arbeitstag ist lang, mindestens zwölf Stunden sind keine Seltenheit. Nach jedem Marktverkauf muss der Wagen sorgfältig gereinigt werden, Hygiene ist beim Handel mit Fisch das A und O. Trotz der vielen Arbeitsstunden sagt Herr Lange: „Diese Arbeit ist nicht nur Geschäft sondern auch Hobby.“ Beide sind mit Leib und Seele dabei.